Eine MPU-Vorbereitung ist keine Pflicht, und die beste Vorbereitung ist keine auswendig gelernte, sondern eine echte Veränderung. Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) schreibt: Beratung und Vorbereitung sind freiwillig, können die Chancen aber erhöhen. Untersuchungen zeigten, dass eine verkehrspsychologische Vorbereitung „wesentlich zum Erfolg in der MPU beitragen kann“ (BASt-Broschüre, 08/2025).
Worauf es in der MPU ankommt
Bevor Sie Geld für eine Vorbereitung ausgeben, sollten Sie wissen, was die Gutachter prüfen. Nach der BASt müssen Sie nachvollziehbar erklären können:
- Was Sie genau falsch gemacht haben.
- Warum Sie es so und nicht anders gemacht haben, also die persönlichen und äußeren Gründe.
- Wann und warum Sie entschieden haben, Ihr Verhalten zu ändern.
- Wie Sie die Änderung umgesetzt haben und was sich dadurch verändert hat.
- Wodurch Sie sicherstellen, dass es nicht wieder passiert.
Dazu kommt bei Alkohol und Drogen oft ein Abstinenzbeleg oder der Nachweis eines kontrollierten Konsums. Und die Änderung muss erprobt und stabil sein, nach BASt in der Regel zwischen sechs Monaten und einem Jahr.
Daraus folgt: Die wichtigste Vorbereitung ist Zeit, die Sie für eine echte Änderung nutzen. Wer erst kurz vor dem Termin anfängt, kann das mit keinem Kurs aufholen.
Die vier Wege zur Vorbereitung
| Weg | Was Sie bekommen | Kosten | passt, wenn … |
|---|---|---|---|
| Selbststudium | BASt-Broschüre, Fragen beantworten, Lebenslauf | kostenlos | Sie Ihre Auffälligkeit gut verstehen und die Änderung schon leben |
| Infoabend | Ablauf, Anforderungen, Fragen stellen | meist kostenlos | Sie am Anfang stehen |
| Einzelberatung | Einschätzung Ihres Falls, schriftliches Ergebnis | ab ca. 100 € pro Stunde (ADAC) | Sie wissen wollen, wo Sie stehen |
| Verkehrspsychologische Vorbereitung | mehrere Sitzungen, einzeln oder in der Gruppe | in den ADAC-Beispielen 600–1.300 € | Alkohol, Drogen, wiederholte Auffälligkeiten, oder Sie kommen allein nicht weiter |
Alle vier lassen sich kombinieren. Ein sinnvoller Einstieg ist fast immer: Infoabend, dann ein Beratungsgespräch, dann entscheiden.
1. Selbst vorbereiten
Die BASt gibt dafür konkrete Hinweise:
- Tabellarischer Lebenslauf ab der Zeit, in der die Auffälligkeiten begannen. Schreiben Sie dazu, was damals in Beruf, Familie und Freizeit los war. Daran sehen Sie Muster.
- Andere fragen. Was haben Partner, Freunde oder Kollegen Ihnen über Ihr Trinken, Ihren Fahrstil oder Ihren Umgang mit Stress gesagt?
- Fachleute fragen. Bei Alkohol, Drogen oder Medikamenten können Hausarzt und Suchtberatungsstellen helfen, vertraulich und meist kostenlos.
- Die Akte lesen. Im Gespräch geht es um das, was dort steht: Urteil, Blutwerte, frühere Verstöße (Führerscheinakte).
Prüfen Sie sich danach ehrlich an den fünf Fragen oben. Wenn Sie auf die „Warum“-Fragen nur Ausreden finden („Pech gehabt“, „alle trinken so viel“), ist professionelle Hilfe sinnvoll.
2. Infoabende
Begutachtungsstellen und viele Beratungsanbieter bieten kostenlose Infoabende an, vor Ort oder online. Dort erfahren Sie, wie die MPU abläuft und was die Gutachter erwarten. Ein Infoabend der Begutachtungsstelle verpflichtet Sie nicht, dort auch die MPU zu machen. Vorbereitungen selbst dürfen die Träger der Begutachtungsstellen nicht anbieten, sie müssen unabhängig bleiben (FeV Anlage 14 Nr. 6).
3. Einzelberatung: erst einschätzen lassen
In einem verkehrspsychologischen Beratungsgespräch klären Sie laut BASt unter anderem:
- wie Ihre Chancen stehen und ob Ihre bisherigen Schritte reichen,
- ob und welche medizinischen Nachweise Sie brauchen, etwa Abstinenznachweise,
- wann eine MPU für Sie frühestens sinnvoll ist.
Am Ende bekommen Sie bei seriösen Beratern ein schriftliches Beratungsergebnis. Erst danach entscheiden Sie, ob Sie mehr brauchen.
4. Verkehrspsychologische Vorbereitung
In mehreren Einzel- oder Gruppensitzungen arbeiten Sie mit einem Verkehrspsychologen an Ihrer Geschichte. Nach der BASt sind die Themen typischerweise:
- Bestandsaufnahme: die Auffälligkeiten und ihre Hintergründe, etwa früherer Umgang mit Alkohol oder Drogen, Stress, Lebensereignisse.
- Veränderung: neue Strategien, zum Beispiel anders mit Stress umzugehen, Nein zu sagen, Abstinenz oder kontrolliertes Trinken.
- Erprobung: Sie setzen das im Alltag um und besprechen die Erfahrungen.
- Rückfall: wie Sie Rückfälle vermeiden und was Sie im Ernstfall tun.
Am Ende erhalten Sie eine Teilnahmebescheinigung mit Dauer und Zahl der Sitzungen, die Sie bei der Begutachtung vorlegen können.
Einzel oder Gruppe? Einzelsitzungen gehen tiefer auf Ihre Geschichte ein, Gruppen sind günstiger und bieten Austausch mit anderen. Aus unserer Sicht spricht bei Alkohol- oder Drogenfragen mit längerer Vorgeschichte viel für Einzelsitzungen; bei Punkten kann eine Gruppe reichen. Klären Sie das im ersten Beratungsgespräch.
Online-Vorbereitung: was taugt
„MPU-Vorbereitung online“ heißt zweierlei:
- Sitzungen per Video mit einem Verkehrspsychologen. Inhaltlich das Gleiche wie vor Ort. Das kann sinnvoll sein, wenn es in Ihrer Nähe keinen geeigneten Berater gibt. Achten Sie auf dieselben Qualitätsmerkmale wie bei Präsenzberatern.
- Videokurse, Apps, Fragenkataloge. Sie erklären Ablauf und Themen, ersetzen aber die persönliche Aufarbeitung nicht. Wer nur Musterantworten lernt, fällt im Gespräch eher auf, denn der Gutachter fragt genau nach. Laut TÜV NORD ist es „nicht sinnvoll, bestimmte Antworten auswendig zu lernen“.
Wie lange die Vorbereitung dauert
Die Dauer ergibt sich weniger aus der Zahl der Stunden als aus der Zeit, die Ihre Änderung braucht:
| Fall | Richtwert laut BASt |
|---|---|
| kontrolliertes Trinken bei Alkoholgefährdung | mindestens 6 Monate erprobt |
| Alkoholverzicht bei fortgeschrittener Problematik | in der Regel 1 Jahr, nie unter 6 Monaten, mit Belegen |
| Alkoholabhängigkeit | mindestens 1 Jahr Abstinenz nach Entwöhnung |
| Drogenverzicht bei gelegentlichem Cannabiskonsum ohne weitere Probleme | 6 Monate |
| Drogen bei fortgeschrittener Problematik oder Abhängigkeit | länger als 1 Jahr |
| Punkte und Straftaten ohne Alkohol oder Drogen | keine feste Frist, Änderung muss stabil sein |
Wer früh anfängt, kann die Sperrfrist nutzen: Beratung und Abstinenzprogramm laufen dann schon, wenn die Sperre endet. Die BASt rät ausdrücklich, die Sperrfrist dafür zu nutzen (Sperrfrist).
Woran Sie seriöse Anbieter erkennen
Die BASt und die Begutachtungsstellen nennen dieselben Kriterien. Seriöse Berater:
- sind Psychologen mit Diplom oder Master und verkehrspsychologischer Ausbildung,
- geben keine Garantien wie „Geld zurück“ oder „100 Prozent“,
- schließen einen Vertrag über Leistung, Kosten und Kündigung,
- lassen sich Ihre Unterlagen zeigen und machen Aufzeichnungen,
- drängen Sie nicht, „zurechtgebastelte Geschichten“ auswendig zu lernen.
Die ausführliche Checkliste steht unter MPU-Berater finden. Angebote, die ein Gutachten „ohne MPU“ oder „garantiert“ versprechen, sind Betrug (MPU umgehen?).
Vorbereitung nach Anlass
- Alkohol: Klären, ob Abstinenz oder kontrolliertes Trinken gefordert ist, Nachweise früh starten. Siehe MPU wegen Alkohol.
- Drogen und Cannabis: In der Regel Abstinenz mit forensischen Belegen. Siehe MPU wegen Drogen und Cannabis und Führerschein.
- Punkte und Straftaten: Ursachen für die Verstöße, etwa Zeitdruck, Ärger, Selbstüberschätzung, und konkrete neue Vorsätze. Siehe MPU wegen Punkten.
Alles Grundsätzliche zur MPU, mit Anlässen und Bestehensquoten nach BASt-Statistik, steht im Überblick MPU.
Quellen
- Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen: Informationen zur MPU, 14. Auflage, August 2025
- TÜV NORD: FAQ zur MPU, abgerufen am 28.10.2026
- FeV Anlage 14, abgerufen am 28.10.2026
- ADAC: MPU-Kosten, abgerufen am 28.10.2026
Bei Problemen mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten helfen Suchtberatungsstellen vertraulich und kostenlos, unabhängig von der MPU.



