Bei harten Drogen ist der Führerschein oft schon nach dem ersten nachgewiesenen Konsum weg, auch ohne Fahrt. Wer Betäubungsmittel wie Kokain, Amphetamin oder Ecstasy einnimmt, gilt nach der Fahrerlaubnis-Verordnung als ungeeignet (FeV Anlage 4 Nr. 9.1). Zurück führt der Weg in der Regel über eine MPU mit belegter Abstinenz, meist über mehr als ein Jahr. Für Cannabis gelten seit 2024 eigene Regeln, siehe Cannabis und Führerschein.

Wann die Drogen-MPU kommt

§ 14 FeV unterscheidet zwei Stufen:

Ärztliches Gutachten (Abs. 1), wenn Tatsachen annehmen lassen, dass

  • eine Abhängigkeit von Betäubungsmitteln oder anderen psychoaktiven Stoffen besteht,
  • Betäubungsmittel eingenommen werden,
  • psychoaktive Medikamente missbräuchlich eingenommen werden.

Schon der widerrechtliche Besitz kann ein ärztliches Gutachten auslösen.

MPU (Abs. 2), wenn

  • die Fahrerlaubnis wegen Drogen von Behörde oder Gericht entzogen war,
  • zu klären ist, ob jemand noch abhängig ist oder weiter konsumiert,
  • wiederholt gegen § 24a StVG verstoßen wurde, also unter Drogeneinfluss gefahren wurde.

In der Praxis heißt das: Wer einmal wegen harter Drogen den Führerschein verloren hat, muss vor der Neuerteilung fast immer zur MPU.

Warum der Führerschein auch ohne Fahrt weg sein kann

Anlage 4 zur FeV listet für „Einnahme von Betäubungsmitteln im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes“ (Nr. 9.1) die Eignung mit „nein“, ohne Einschränkung. Anders als bei Alkohol kommt es nicht darauf an, ob Sie unter Einfluss gefahren sind. Steht die Einnahme fest, kann die Behörde den Führerschein entziehen, ohne vorher ein Gutachten anzuordnen (§ 11 Abs. 7 FeV). Der Anlass kann eine Polizeikontrolle, ein Strafverfahren wegen Besitzes oder ein Befund im Krankenhaus sein, der der Behörde bekannt wird.

Cannabis fällt seit dem 1. April 2024 unter das Konsumcannabisgesetz statt unter das BtMG. Für die Fahreignung gilt Nr. 9.2 der Anlage 4 mit eigenen Regeln.

Bußgeld und Strafe bei Drogen am Steuer

Wer unter der Wirkung eines Mittels aus der Anlage zu § 24a StVG fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, sobald die Substanz im Blutserum nachgewiesen wird. Die Liste umfasst Heroin und Morphin, Kokain, Amphetamin, Metamfetamin sowie die Designer-Amphetamine MDA, MDE und MDMA.

VerstoßRegelsatzFahrverbotPunkte
erstmals500 €1 Monat2
mit einer Voreintragung (§ 24a, § 316 oder § 315c StGB)1.000 €3 Monate2
mit mehreren Voreintragungen1.500 €3 Monate2

Quellen: BKatV Anlage Nr. 243, FeV Anlage 13 Nr. 2.2.2.

Kommen Fahrfehler oder Ausfallerscheinungen dazu, wird es eine Straftat nach § 316 StGB, mit Entziehung der Fahrerlaubnis und Sperrfrist. Unabhängig davon prüft die Führerscheinstelle die Eignung, und das Bußgeld ist meist das kleinere Problem.

Was die Gutachter einordnen

Die BASt unterscheidet bei Drogen drei Stufen (BASt-Broschüre, 08/2025):

EinstufungMerkmaleAbstinenzdauer laut BASt
Drogenabhängigkeitfrühere Entwöhnung oder entsprechende Befunde in den letzten 12 Monaten1 Jahr nach Entwöhnung; ohne Therapie nennenswert länger als 1 Jahr; zusätzlich Alkoholverzicht
fortgeschrittene Drogenproblematikschädlicher Gebrauch, mehrere Drogen (auch gleichzeitig), hoch suchtpotente Drogenlänger als 1 Jahr, letzter Konsum mehr als 1 Jahr her
Drogengefährdunghäufiger Cannabiskonsum oder nur gelegentlich eine härtere Drogemindestens 6 Monate Verzicht zum Zeitpunkt der MPU

Die Gutachter wollen außerdem wissen, warum es zum Konsum kam, warum er weiterging, und ob Sie sich vom Umfeld gelöst haben: neuer Freundeskreis, andere Freizeit, manchmal ein Umzug. Die BASt betont, dass Sie sich „von der Drogenszene distanziert“ haben sollten.

Abstinenz belegen

Drogenabstinenz wird mit Urin- oder Haaranalysen unter forensischen Bedingungen belegt:

  • Urin: Drogen und Abbauprodukte sammeln sich im Urin und sind dort länger nachweisbar als im Blut. Die Kontrollen laufen mit kurzfristiger, unvorhersehbarer Einbestellung.
  • Haar: ermöglicht einen Blick zurück. Die BASt weist darauf hin, dass Haaranalysen bei bestimmten Substanzen nicht oder nur eingeschränkt möglich sind und Färben oder Bleichen sie unbrauchbar machen kann. Klären Sie vorher, ob eine Haaranalyse bei Ihnen funktioniert (Haaranalyse).
  • Forensische Bedingungen: Probennahme durch speziell qualifizierte Ärzte, Labor akkreditiert nach DIN ISO/IEC 17025 und GTFCh-Standards.

Die BASt rät, das Ende des belegten Zeitraums und den MPU-Termin zeitnah zu legen. Details unter Abstinenznachweis.

Am Untersuchungstag

Bei jeder Drogen-MPU gehört ein Urin-Drogenscreening zum Untersuchungsumfang, als Ergänzung zu den Abstinenzbelegen (BASt). TÜV NORD nimmt bei Drogenfragen zusätzlich immer Blut ab, um eine akute Einnahme auszuschließen (TÜV NORD, FAQ). Dazu kommen Fragebögen, ärztliche Untersuchung, Leistungstest und das psychologische Gespräch (MPU-Ablauf).

Bringen Sie die Beipackzettel aller Medikamente mit, die Sie einnehmen. Manche Medikamente können im Screening auffallen. Mit dem Beipackzettel und gegebenenfalls einem ärztlichen Attest lässt sich das klären.

Medikamente

Die Regeln gelten auch für die missbräuchliche Einnahme psychoaktiver Medikamente wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel oder starker Schmerzmittel (§ 14 Abs. 1 Nr. 3 FeV). Wer ein Medikament bestimmungsgemäß nach ärztlicher Verordnung einnimmt, fällt nicht unter das Drogenverbot am Steuer (§ 24a Abs. 4 StVG). Sie müssen aber trotzdem fahrtüchtig sein, und eine Dauerbehandlung, die die Leistungsfähigkeit unter das erforderliche Maß senkt, schließt die Eignung aus (Anlage 4 Nr. 9.6.2).

Wie die Chancen stehen

Drogen-MPU 2025AnzahlgeeignetKursungeeignet
BtM, Cannabis, Medikamente12.37658 %4,5 %38 %
Alkohol und Drogen kombiniert1.16959 %3,8 %37 %
Drogen und Verkehrsauffälligkeiten1.34453 %1,9 %45 %
alle Drogen-Fragestellungen14.88957 %4,2 %39 %

Quelle: BASt, Begutachtung der Fahreignung 2025. Die Zahl der Drogen-MPU ist 2025 um 21 Prozent gesunken, nach minus 30 Prozent im Jahr davor.

Fahrplan

  1. Sofort aufhören und die Abstinenz ab jetzt belegen lassen. Jeder Monat ohne Beleg zählt später nicht.
  2. Beratung: Bei Abhängigkeit oder mehreren Substanzen zuerst eine Drogenberatung, dann ein Verkehrspsychologe für die MPU-Fragen.
  3. Forensisches Abstinenzprogramm abschließen, Urin oder Haar.
  4. Umfeld ändern und das im Gespräch erklären können.
  5. Neuerteilung beantragen und MPU-Termin ans Ende der Abstinenzzeit legen.

Einen Überblick über alle MPU-Anlässe, den Ablauf und die Bestehensquoten gibt der Artikel MPU.

Zum Vergleich: Wann die MPU wegen Alkohol kommt und wann Abstinenz gefordert ist, steht unter MPU wegen Alkohol.

Quellen

Wenn Sie Hilfe beim Ausstieg suchen: Drogen- und Suchtberatungsstellen beraten vertraulich und kostenlos, auch anonym. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.